Willkommen

Willkommen

Sanft gurgeln die Maschinen

37 Jahre wunderbarer Waschsalon von Peter Friedrich -
"Vielleicht sind die Leute nicht mehr ganz so penibel wie früher"

"Waschsalon Heißmangel" steht in großen blauen Lettern an der Glasscheibe. Draußen bläst ein kalter Wind, dafür ist es aber drinnen umso heimeliger und gemütlich warm: Sanft gurgeln die Waschmaschinen und vorne im Laden steht Peter Friedrich an seiner fast schon antiken Heißmangel. Auf dem Fußboden warten Körbe voll mit sorgfältig gefalteten, frisch gewaschenen und gebügelten Tischdecken, Unterhemden und Bettbezügen darauf, abgeholt zu werden.

UNTERTÜRKHEIM - Als Peter Friedrich vor 37 Jahren den Untertürkheimer Waschsalon in der Kappelbergstraße von seiner Mutter übernahm, weil die keinen "Vertrauen erweckenden Pächter" fand, musste der gelernte chemische Reiniger gegen so manches Vorurteil ankämpfen: "Die Kundschaft war schon skeptisch - viele dachten, ein Mann kann das nicht." Wo gab`s denn schließlich auch so was - ein junger Mann von 22, gerade mal trocken hintern den Ohren, der einer schwäbischen Hausfrau vormachen wollte, wie man richtig wäscht und bügelt! Sich den Respekt der Kundinnen zu erwerben, das brauchte schon eine gewisse Zeit, erzählt Peter Friedrich.
Auch damals, Anfang der 70er Jahre, hatten viele Leute schon eigene Waschmaschinen und brachten nur "Großteile" wie Bett- oder Tischwäsche zum Waschen oder Mangeln vorbei. Die meisten Hausfrauen wuschen damals montags und der Termin zum Betten abziehen stand alle zwei Wochen im Kalender, erzählt der 59-Jährige aus Oeffingen. Heute dagegen sei das eher wetterabhängig. "Manche waschen bei Sonnenschein und bringen die Wäsche dann, wenn es anfängt zu regnen, zum Mangeln vorbei."

Gibt es sie denn überhaupt noch, die typische schwäbische Hausfrau? Das will Peter Friedrich zwar nicht abstreiten, allgemein seien die Leute "aber vielleicht nicht mehr ganz so penibel und genau wie früher". Damals habe man ja sogar die Bettwäsche mit hellblauen und rosafarbenen Schleifen verziert in den Schrank gelegt. Doch auch heute noch lassen sich seine Kunden gerne von ihm erklären, wie man Spannleintücher so zusammenlegt, "dass es im Schrank einigermaßen nach etwas aussieht." Und zu seinen Kunden zählt er auch so manchen "sehr peniblen" Junggesellen, der ihn gezielt auf Schwachpunkte seiner Kleidung hinweist: "Der Kragen wird langsam etwas speckig, achten Sie mir beim Waschen drauf!"

Über Details schweigt Peter Friedrich sich lieber aus. Er ist ein sehr diskreter Mensch, das muss man wahrscheinlich auch sein, wenn man eine Wäscherei betreibt. Denn wer möchte schon, dass nachher im Dorf herumerzählt wird, stell dir vor, die trägt lilafarbene Unterwäsche! Auf die Frage, ob er sich an auffällige Kleidungsstücke erinnern könne, nennt er "die farbige Bettwäsche heutzutage", so "extreme Sachen" wie schwarze und dunkelblaue Leintücher. Interessant findet er auch Fußball-Bettwäsche.

Ob mit VfB- oder Dortmund-Aufdruck, "man weiß dann gleich, in welche Richtung die Leute tendieren". Im Übrigen habe er gar keine Zeit, sich die Wäsche so genau anzuschauen. Über Arbeitsmangel kann er sich nämlich nicht beklagen. Von morgens um 8 bis abends um 18 Uhr steht Peter Friedrich ohne Pause alleine in seinem Waschsalon. Die meiste Zeit ist er mit Mangeln, Bügeln und Zusammenlegen beschäftigt, "das Waschen erledigen ja zum Glück die Maschinen für mich". Seine Ausstattung - drei mächtige silberne Waschmaschinen und eine Heißmangel - ist etwas in die Jahre gekommen, sei aber sehr robust und wenig störanfällig. "So eine Qualität bekommt man heute nicht mehr." Im Laufe der Zeit hat er gelernt, die Maschinen selbst zu reparieren, wenn es mal irgendwo klemmt. "Man kann ja nicht jedes Mal den Kundendienst rufen." Zu Hause hat Peter Friedrich übrigens keine Waschmaschine - "das wird dann meine erste Anschaffung, wenn ich in Ruhestand gehe."

Stuttgarter Wochenblatt

Eingetragen und gepüft beim Webkatalog Schlaue-Seiten.de

www.beliebtestewebseite.de

9351

Nach oben